PRINCE2® Foundation Certificate for Project Management – ein Erfahrungsbericht

Seit September 2022 hat unser Projektleiter Jörg Bechtold das oben genannte Zertifikat. In diesem Artikel berichtet er, wie es dazu kam und was seine Erfahrungen damit waren.

Anfang des Jahres hatten wir bei verschiedenen Ausschreibungen mitgemacht, bei denen Zertifizierungen für die Projektleiter gefordert wurden, entweder nach ITIL® oder nach PRINCE2®, beides Trademarks der AXELOS Limited. Wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt schon mit Zertifizierungen in Richtung Kanban und Agile beschäftigt und auch diverse TYPO3-Zertifizierungen waren bereits vorhanden. Und es ist ja immer gut, das eigene Wissen zu erweitern. Also noch eine!
 

Der Anbieter

Anbieter gibt es viele, aber warum in die Ferne schweifen. Das Original findet sich unter prince2.com und wird von der ILX Group betrieben, die für das Lerngeschäft zuständig ist. Die Basisstufe nennt sich „Foundation“, auf die man noch den „Practitioner“ und, wenn man möchte, das Ganze auch noch in den Agile-Varianten draufsatteln kann. Das alles geht entweder einzeln oder als Komplettkurs und sowohl als Präsenzschulung als auch online. Eine auf den ersten Blick verwirrende Vielfalt.

Dazu kommt, dass das PRINCE2® Foundation-Zertifikat unbegrenzt gültig ist, während der PRINCE2® Practitioner alle 3 Jahre neu abgelegt werden muss. Also erst mal klein anfangen. Die E-Learning-Variante wird derzeit nicht nur attraktiv rabattiert, sondern bietet auch den Vorteil, dass sie eine Laufzeit von einem Jahr hat. Man kann sich so in seinem eigenen Lerntempo neben der normalen Arbeit vorantasten und die Prüfung ablegen, wann immer man dafür bereit ist.

Das E-Learning

Nach der Registrierung erhält man einen Zugang zu einer E-Learning-Plattform, die bequem im Browser aufrufbar ist. Sie ist selbsterklärend aufgebaut und enthält den in einzelne Lektionen unterteilten Kurs, eine Prüfungssimulation, ein Glossar, Kursmaterialien, ein FAQ, man kann sich Favoriten anlegen und Fragen zur Wiederholung speichern. Der aktuelle Stand wird ebenfalls gespeichert und man macht an der Stelle weiter, wo man beim letzten Mal aufgehört hat.

Die Lektionen sind animiert, mit einer Tonspur versehen und in handliche Teile von ca. 30-45 Minuten unterteilt, die man stückweise abarbeiten kann. Alles in allem ungefähr 15 Stunden Material, manchmal ein wenig überladen und mit sehr viel Einsatz von Clip-Art, was mein Designer-Herz bluten lässt. Man merkt außerdem, dass das Original aus Großbritannien stammt, die Übersetzungen erscheinen manchmal etwas hölzern.

Dazu gibt es nach der Anmeldung zur Prüfung (bei einem weiteren getrennten Anbieter) auch noch das offizielle Handbuch als eBook zum Download, wozu man sich im Microsoft- oder Apple-Store noch die passende Software zum Kopierschutz herunterladen muss. Weitere knapp 400 Seiten mit den Inhalten aus dem E-Learning in etwas anderer Anordnung.

Der Kurs

PRINCE2® hat den Anspruch, auf alles und jedes Projekt anwendbar zu sein. Dementsprechend geht man vom größtmöglichen Fall aus und baut eine Projektstruktur auf, die für ein normales Projekt in einer Agentur wie der unsrigen etwas überdimensioniert erscheint. Es wird zwar ständig betont, dass man alles auf die jeweilige Projektumgebung anpassen und herunterbrechen kann, aber lernen muss man es eben trotzdem und abgefragt wird es in der Prüfung auch.

Bei PRINCE2® geht es um den grundsätzlichen Aufbau eines Projektes mit Lenkungs- und Steuerungsebenen, deren Beziehungen untereinander sowie um das Managen des täglichen Projektablaufs und die Unterteilung eines Projekts in Management- und Lieferphasen. Hierzu werden verschiedene Dokumentationsprodukte eingeführt, die im Laufe des Projekts erstellt und aktuell gehalten werden müssen. Es geht auch und vor allem um das Erkennen und Eskalieren von Problemen, die ein Projekt gefährden können. Zusammengefasst wird das Ganze in einem Schaubild eines Prozessmodells, das durchaus komplex ausfällt und auf DIN A3 ausgedruckt gerade noch so lesbar ist.

Ich habe für den kompletten Kurs (neben der normalen Arbeit) rund 4 Monate gebraucht. Ein weiterer Monat ging für mehrere Durchläufe der Prüfungssimulation und die Prüfung an sich drauf, zwischendrin war ich zwei Wochen im Urlaub. Man darf sich auch nicht verrückt machen lassen – es handelt sich um 60 Multiple-Choice-Fragen, von denen man „nur“ 33 Richtige zum Bestehen braucht. In der Prüfung kommen dabei leicht andere Fragen zum Einsatz, als es in der Prüfungssimulation der Fall ist. Die Kursbeschreibung rät daher auch dazu, die Fragen und Antworten nicht auswendig zu lernen, sondern wirklich den Sinn dahinter zu verstehen – dann sollte die Prüfung auch kein größeres Problem darstellen. Fällt man beim ersten Mal durch, kann man kostenpflichtig wiederholen.

Fazit

Da ich schon seit über 20 Jahren Team- und Projektleiter bin, kenne ich die meisten Abläufe eines Projekts und auch viele Fallstricke und Probleme sind mir in der Praxis schon begegnet. PRINCE2® beschränkt sich auf die reine Theorie, auch wenn sie anhand des einen oder anderen (erfundenen) Praxisbeispiels erläutert wird. Insofern habe ich nicht unbedingt etwas völlig Neues gelernt, aber viele Abläufe wurden mir bestätigt, manche neue Blickwinkel eröffnet und den einen oder anderen Tipp konnte ich schon mitnehmen. So ein Zertifikat macht sich auch immer gut, die nächste Ausschreibung kommt bestimmt und vielleicht ist es für unsere Kunden auch ein Entscheidungskriterium, wenn sie sehen, dass wir Zeit in unsere Fortbildung investieren.

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PRINCE2 Foundation Certificate in Project Management Jörg Bechtold
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